
Wenn Angst das Denken verengt
September 24, 2026Führen in der Polykrise – Handlungsfähig bleiben, wenn Normalität ausfällt
Oktober 1, 2026Eine der unangenehmsten Erfahrungen für Menschen ist das Gefühl:
„Ich weiß nicht mehr, was kommt – und ich kann kaum etwas daran ändern.“
Genau das erleben derzeit viele.
Wie entwickelt sich die Wirtschaft?
Was bedeutet KI für meinen Arbeitsplatz?
Wie sicher ist unsere Zukunft?
Welche Veränderungen kommen noch?
Aus stressmedizinischer Sicht ist dabei nicht nur entscheidend, was passiert.
Entscheidend ist auch, ob wir das Gefühl und auch die innere Kompetenz haben, damit umgehen zu können.
Wenn Menschen dauerhaft Unsicherheit und Kontrollverlust erleben, entsteht ein verständliches Bedürfnis nach Orientierung.
Wir wollen wissen:
Was ist richtig?
Was ist falsch?
Wer gehört zu uns?
Wer trägt Verantwortung?
Und vor allem: Was muss jetzt getan werden?
Eindeutigkeit kann dann ausgesprochen entlastend wirken.
Sie reduziert Komplexität.
Sie vermittelt das Gefühl, die Welt wieder verstanden zu haben.
Und genau darin liegt ein Risiko.
Denn eine komplizierte Realität wird nicht dadurch einfacher, dass wir sie einfacher beschreiben. Manchmal müssen wir etwas aushalten, was unser Gehirn nicht besonders gerne mag:
Unsicherheit. Ambivalenz. Widersprüche.
Resilienz bedeutet deshalb für uns nicht, auf alles sofort eine Antwort zu haben.
Resilienz bedeutet auch, sagen zu können: „Ich weiß es noch nicht.“
Trotzdem handlungsfähig zu bleiben. Informationen zu prüfen.
Die eigene Meinung verändern zu können. Und nicht jede Unsicherheit durch vorschnelle Gewissheit ersetzen zu müssen. Vielleicht brauchen wir deshalb in einer komplexer werdenden Welt nicht immer mehr Eindeutigkeit.
Vielleicht brauchen wir mehr Menschen, die Komplexität aushalten können, ohne die (innere) Orientierung zu verlieren.
Das ist ebenfalls Resilienz.
#Resilienz #Stressmedizin #GesellschaftUnterStress
Dr. med. Matthias Weniger

