
Arzt-Patienten-Beziehung: Digitalisierung – mehr Daten, weniger Nähe?
Juni 25, 2026
Wenn Kontrolle verloren geht, wächst die Sehnsucht nach Eindeutigkeit.
September 24, 2026Wir erleben eine Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, dass ihnen die Welt entgleitet.
Kriege. Wirtschaftliche Unsicherheit. Migration. Klimawandel. Künstliche Intelligenz. Veränderungen am Arbeitsplatz. Eine Nachricht jagt die nächste.
Aus stressmedizinischer Sicht ist es „interessant“, was dann passiert.
Denn unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, dauerhaft mit Unsicherheit und Bedrohung zu leben. Wenn Menschen über längere Zeit Stress und Kontrollverlust erleben, verändert sich ihre Wahrnehmung.
Der Blick wird enger. Wir suchen stärker nach Sicherheit, Orientierung und Kontrolle. Komplexität wird anstrengender. Widersprüche werden schwerer auszuhalten. Und plötzlich haben einfache Antworten eine enorme Attraktivität.
Jemand muss schuld sein.
Jemand muss endlich aufräumen.
Es muss doch eine einfache Lösung geben.
Das ist zunächst keine politische Frage. Es ist eine menschliche Reaktion auf Unsicherheit. Aber genau deshalb sollten wir aufmerksam werden.
Denn die meisten großen Herausforderungen unserer Zeit sind kompliziert. Sie lassen sich nicht auf einen Schuldigen reduzieren. Und sie verschwinden nicht dadurch, dass wir die Welt in „wir“ und „die anderen“ aufteilen.
Vielleicht ist deshalb eine der wichtigsten Fähigkeiten unserer Zeit nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz Angst weiter differenziert denken zu können.
Andere Perspektiven auszuhalten. Nicht vorschnell einen Schuldigen zu suchen. Und auch unter Belastung den anderen Menschen noch als Menschen zu sehen.
Das ist für uns ein wichtiger Teil von Resilienz:
Nicht einfach nur mehr auszuhalten. Sondern unter Druck offen, handlungsfähig und menschlich zu bleiben.
Denn Angst verengt unseren Blick.
Resilienz kann ihn wieder erweitern.
Dr. med. Matthias Weniger #Resilienz

